User:U715371/Erfassen von Fahrrad- und Fußweginfrastruktur in der Praxis

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Weil das Erfassen von Fahrrad- und Fußweginfrastruktur nicht so problemlos ist, wie es zunächst im Wiki erscheint, möchte ich hier einige Probleme beim Erfassen dokumentieren.

Contents

Anforderungen an erfasste Fahrradinfrastruktur

Die Reihenfolge der folgenden Liste sagt nichts über die Wichtigkeit eines Punktes aus.

  1. Darstellbarkeit auf Karten mit niedrigen Zoomstufen
  2. Hoher Detailgrad für Karten mit hohen Zoomstufen
  3. Routing ohne Karte (d.h. nur mit Anweisungen) möglich
  4. Routing für Rollstuhlfahrer ermöglichen (z.B. Berücksichtigung von Bordsteinkanten etc.)
  5. Daten sollen der Verkehrsrechtlichen Situation vor Ort genügen
  6. Die Eingabe darf nicht zu aufwendig und kompliziert sein

Zu 1/2) Die OSM sollte es hergeben, einen hohen Detailgrad bei hoher Zoomstufe zu geben. Jedoch sollte auf diese Detailgrad bei niedrigen Zoomstufen auch verzichtet werden können. Bei niedrigen Zoomstufen sollten gerade für Fahrradanwendungen der Ausbauzustand der Straßenbegleitenden Radwege an die Fahrbahn gerendert werden. Die aktuellen Modelle geben nur eine von beiden Möglichkeiten.

Zu 3/4) Die OSM-Daten sollen sowohl möglichst für barrierefreies Routing, als auch für das Routing nur durch Anweisungen möglich sein. Die aktuell genutzten Methoden führen zu oft zu "artefakt"-Anweisungen, weil fahrbahnbegleitende Wege separat eingezeichnet werden und kleine Ecken bilden.

Footway artefakte.png Artefakte2.png

Zu 6) Separat erfasste straßenbegleidende Radwege können nicht von Anfängern gemappt werden, da diese der Vollständigkeithalber Mitglied einer Relation sein sollten. Mehr Details erfordern zudem auch mehr Aufmerksamkeit für damit in Verbindung stehenden Details. Wege die nur zum Rad-/Gehweg führen sollten nicht mehr bis zur Straßenmitte führen. Dem Gegenüber steht das Tagging an die Fahrbahn, das solange übersichtlich bleibt, bis Daten wie Gehwegbreite erfasst werden, die sich regelmäßig ändert.


Erfassung mit separatem Weg nicht immer sinnvoll

Es gibt folgende Gründe, weshalb man abwägen sollte, ob man einen Geh-/Radweg separat erfassen sollte.

  • Auf niedrigen Zoomstufen werden separat eingezeichnete Wege nur sehr hässlich gerendert und benötigen daher ein umfangreicheres Tagging
  • Auf hohen Zoomstufen ist es schöner mehr Details sehen zu können, daher empfiehlt sich die separate Erfassung, welche die meiste Arbeit macht.

Vorteil: Einfachere Erfassung von Befahrungsrichtungsvorschriften für Fahrräder.

Wann sind Radwege als separater Weg erfassbar?

Orientierungsvorschläge:

  • Eine Barriere wie barrier=retainig_wall trennt den Weg von der Fahrbahn für einige Meter. -> separater Weg
  • Eine Böschung verhindert den Wechsel auf die Fahrbahn. -> separater Weg
  • Ein deutlich erkennbarer Grünstreifen befindet sich zwischen Fahrbahn und Radweg (Breite ca. 5m). -> separater Weg
  • Ein Bordstein trennt den Radweg/Bürgersteig von der Fahrbahn. -> Tagging an Straße
  • Zwischen Fahrbahn und Radweg parken üblicherweise Autos (parking:lane=*). -> Tagging an Straße

Abstandsregeln mit einem festen Wert mögen bei einer ersten Orientierung hilfreich sein. Allerdings sind Abstände zur Fahrbahn in der Regel nicht gleich und mögen mal zu nah und mal weit genug entfernt sein. Andernorts mögen auch unüberwindbare barrieren die Erreichbarkeit abgehender Straßen extrem einschränken. Zuletzt werden beim Erfassen von Fahrbahnen Inseln häufig als Anlass zur separaten Erfassung genommen (was auch u.a. wegen der Verknüpfung der Fahrbahnen sehr sinnvoll ist und beim Routing korrekte Abbiegeanweisungen ermöglicht).

Bei der Erfassung von Autobahnen ist es definitiv üblich Fahrbahnen als separaten Weg zu erfassen, sobald es zwischen ihnen eine Barriere gibt. Daher sollte man beim Radwegemapping ähnliches erwägen.

IMHO: Radwege sollten nicht als separate Wege erfasst werden, wenn diese lediglich durch einen Bordstein von der Fahrbahn getrennt sind. An wenigen Kreuzungen mag gelegentlich ein zusätzlicher Weg eingezeichnet werden müssen.

Die weiter entfernten Wege zum Fußgängerüberweg sollten als Fehler inkauf genommen werden und nicht zusätzlich kurze Wegstücke eingefügt werden, die die Fußgängerüberwege neben dem Kreuzungknoten verbinden

Wann sind Gehwege/Bürgersteige als separater Weg erfassbar?

Sofern diese Wege nicht schon zusammen mit dem Radweg an einem highway=path/cycleway/footway erfasst sind und dort mit den entsprechenden access-Keys die Rechte gesetzt sind - foot=yes, foot=designated - kann sidewalk=* an der Fahrbahn getaggt werden.

Das erfassen an der Fahrbahn erspart auch hier wieder die Beschäftigung mit gesetzlichen Regelungen. Sollte jedoch ein separater Weg erfasst worden sein, wäre eine analoge Lösung zu bicycle=use_sidepath nötig, da Fußgänger dort nicht auf der Fahrbahn gehen dürfen wo ein straßenbegleitender Fußweg ist. Oder schlicht foot=no an der Fahrbahn.

IMHO: Siehe voriger Abschnitt.

Rechtliche Besonderheiten

Auch als Fußgänger ist man nicht immer verpflichtet einen vorhandenen Gehweg zu benutzen. Führt man z.B. sperrige Gegenstände mit sich, ist u.U. die Fahrbahn zu benutzen (Siehe StVO §25 „Fußgänger“, Absatz 2).


Allgemeine Kritik an der separaten Erfassung

Nach meiner Wahrnehmung sehen die meisten Mapper nur Vorteile der separaten Erfassung. Nachteile werden aus meiner Sicht zu selten genannt. Daher möchte ich hier versuchen Kritik an der derzeitigen separaten Erfassung zu äußern.

Rendererprobleme: Es wird schwerer übersichtliche Karten zu rendern

Beispiel 1: Überlagerte Straßen

Fein vs grob 1.png

Obige Grafik zeigt südlich um A Radwege, welche an der Straße getaggt wurden, und westlich von B Radwege, die separat erfasst wurden. Für den Betrachter ergeben sich folgende Probleme:

  • Bei B ist es wesentlich schwerer zu erkennen, dass neben den Radwegen auch eine Straße existiert.
  • Überrepräsentation separat erfasster Radwege: Bei A sind die Radwege nicht überrepräsentiert, was jedoch seitens des Renderers offenbar gewünscht ist - da dies einfach geändert werden kann. Die Radwege östlich von B sind jedoch sehr stark und auffällig gerendert. IMHO: Der Renderer hat mit den derzeitigen Taggings keine Möglichkeit Straßenbegleitende separat eingezeichnete Wege schwächer zu rendern und alleinstehende so ausdrucksstark wie bisher.
  • Um B ist die Karte durch die separat eingezeichneten Radwege unübersichtlich.

Das Resultat des Renderers weist auf folgende Probleme hin.

  • highway=path/footway/cycleway können nicht sinnvoll mit einer Straße assoziiert werden.
  • Der Renderer ist nicht in der Lage die Position der straßenbegleitenden Radwege zu verschieben.
  • Statt des Verschiebens könnten Radwege ausgeblendet werden und cycleway=track entsprechend an die Straßenstücke gerendert werden. Dies ist allerdings nicht so trivial, weil der Renderer zunächst feststellen muss, welches Stück Straße auch wirklich ein Rendering a la cycleway=track erhalten soll.

Beispiel 2: Zu viele Details

Mapnik opencyclemap animation.gif

Obige Grafik zeigt separat erfasste Radwege (Nord-Süd) und an die Straße getaggte Radwege (Ost-West). Die Radwege beider Straßen beginnen direkt hinter dem Bordstein.

  • Der standard Mapnik Style rendert keinen Radweg, der per cycleway=* an eine Straße getaggt ist.
  • Beide Karten rendern als highway=path/footway/cycleway erfasste Wege.

Die Resultate der Renderer weisen auf folgende Problematik hin.

  • Offenbar ist für den Standard Mapnik Style nicht beabsichtigt zusätzliche Details wie einen Straßenbegleitenden Radweg zu rendern, sondern nur alleinstehende Wege, die womöglich sogar einen eigenen Namen haben - für Spezialkarten wie die Opencyclemap ist sind diese Daten an dieser Stelle kein besonderes Problem. Lediglich kann man nicht erkennen, ob man die Straße leicht überqueren kann - Barrieren könnten beim Mappen vergessen worden sein.

IMHO: Alle Mapper, die auf der Standard Mapnik Style Karte gerne viele Details sehen wollen und deshalb Radwege separat erfassen, statt sie an die Fahrbahn zu Taggen, mappen ausschließlich für sich - nicht für die Renderer und schon gar nicht für die Datenbank.

IMHO2: Durch zu viele Details wird eine Karte unübersichtlich.

Routerprobleme

  • Einige sonderbare, aber typische Routingergebnisse, die bei separater Erfassung entstehen können (müssen?). (Siehe auch Negativbeispiel 6)
Neverdo-6 routing.gif
Eine Vermeidung solcher Ergebnisse ist wiedereinmal wahrscheinlich nicht sehr trivial.
  • Es entstehen zunehmend Mikro-Anweisungen, die herausgefiltert werden müssten.
  • Ein Ziel auf der gegenüber liegenden Straßenseite ist oft mit einem großen Umweg verbunden.
  • Durch fehlende Wege über Bordsteine entstehen im Prinzip zusätzlich beliebig viele Routingfehler.
  • Anweisungen zu stark an Radwegen orientiert: Generell können Anweisungen wie links abbiegen in der Wirklichkeit als geradeausfahren von den Benutzern interpretiert werden.

Höhere Kompetenz der Mapper erfordert

  • Separate Wege erfordern korrekte access=*-Tags an allen Wegstücken
  • Die Sichtung vor Ort ist für die Mapper aufwendiger
  • Mapper benötigen genaue Kenntnisse über Rechtslage und führt zu extrem aufwändigem Taggen, das sehr Fehleranfällig ist
    • Bei der Erfassung wird durch separat erfasste Radwege relevant, ob diese benutzungspflichtig sind (bicycle=use_sidepath)
    • Ist ein Bürgersteig vorhanden, ist dieser benutzungpflichtig für Fußgänger (bis auf Ausnahmen) und müsste analog zum vorigen Punkt an der Straße erfasst werden, da die immer von Fußgängern nutzbar ist, falls keine entsprechende Beschilderung angebracht ist.
    • Häufig vergessen Mapper Wege miteinander zu verbinden

Barrierefreies Erfassen noch komplizierter als viele annehmen

Das Erfassen der Infrastruktur speziell für Rollstuhlfahrer erfordert (noch) mehr Sichtung und Detailmapping. Zum Beispiel muss auf abgesenkte Bordsteine geachtet werden.

Noch nicht ausgereiftes Tagging für separat eingezeichnete Wege

Teilweise Lösung durch eine Relation (type=street). Straßenbegleitende Radwege könnten die Rolle sidepath erhalten und (fortgeführte) alleinstehende Wege die Rolle street - genauso wie alle übrigen auch für Kraftfahrzeuge befahrbare Wegstücke.

Problem: Möglicherweise wird das Rendering aufwendiger. (Siehe auch Relation:street)

foot=use_sidepath

Es gibt ein bicycle=use_sidepath, das bei Benutzungspflichtigen Radwegen angewendet wird. Analog müsste es ein foot=use_sidepath geben, denn:

Nach StVO sind Straßenbegleitende Wege für Fußgänger Benutzungspflichtig. (Siehe StVO §25 Fußgänger, Absatz 1)

Fußgänger dürfen in der OSM per default u. a. auf den Straßentypen trunk, primary, secondary, tertiary, unclassified, residential, living_street und road gehen (siehe OSM_tags_for_routing/Access-Restrictions#Germany). Ist in der OSM ein straßenbegleitender Weg für Fußgänger erfasst müsste auf den betreffenden Straßenstücken also nach StVO der access modifiziert werden.

Besonderheiten der Daten in der OSM

Viele dieser Tags sind nicht nötig, da es länderspezifische default-Werte für Wegtypen gibt. (Siehe auch Access-Restrictions für Deutschland)
Unter den vorhandenen Daten gibt es immer wieder Wegtypen (vor allem highway=footway), die falsch gesetzt wurden und daher ein falsches access-Tagging für die Datenauswerter implizieren. Die Nutzung von highway=path könnte falsch gesetzte Zugriffsrechte bei Unwissenheit vermeiden.

Häufige Fehler beim Erfassen

</ul>


Taggingempfehlungen

Beim Couchmapping sollte man statt highway=footway, highway=cycleway den Tag highway=path verwenden.

IMHO: Generell sollte man auf highway=footway und highway=cycleway verzichten, da diese in der Regel nicht optisch unterscheidbar sind und somit keine weitere Information bieten. Alle zusätzlichen Informationen über einen Weg werden durch weitere Tags wesentlich besser und zuverlässiger beschrieben.

Unbeschilderte Wege

Solange nicht geklärt ist, welcher Verkehr auf einem Weg erlaubt ist, sollte man folgendes zu Herzen nehmen:

  • Wege, die von motorisierten Fahrzeugen nicht befahren werden können (bzw. intuitiv nicht befahren werden sollten), sollten als highway=path erfasst werden.
  • Von motorisierten Fahrzeugen befahrbare Wege sollten zunächst als highway=road erfasst werden.

Vorort festgestellt: Keine Beschilderung für Fußgänger oder Radfahrer

  • Mit dem Fahrrad dürfen „[r]echte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 [...] benutzt werden“. Linke Radwege (ohne Beschilderung) dürfen nur benutzt werden, wenn diese explizit für Fahrräder freigegeben wurden. (Siehe StVO §2 "Straßenbenutzung durch Fahrzeuge" Absatz 2, Stand: 01.04.2013)
  • „Wer mit dem Rad fährt, darf ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und zu Fuß Gehende nicht behindert werden.“ (Siehe StVO §2 "Straßenbenutzung durch Fahrzeuge" Absatz 2, Stand: 01.04.2013)

Aus meiner Sicht folgt daraus für unbeschilderte straßenbegleitende Wege, dass

[*] sollte auch getaggt werden

Unbeschilderte Radwege anhand ihrer Markierungen erkennen

Hier ein Auszug aus der StVO, der diese Frage beschreibt:

„Auch Markierungen und Radverkehrsführungsmarkierungen sind Verkehrszeichen. Sie sind grundsätzlich weiß. Nur als vorübergehend gültige Markierungen sind sie gelb; dann heben sie die weißen Markierungen auf. Gelbe Markierungen können auch in Form von Markierungsknopfreihen, Markierungsleuchtknopfreihen oder als Leitschwellen oder Leitborde ausgeführt sein. Leuchtknopfreihen gelten nur, wenn sie eingeschaltet sind. Alle Linien können durch gleichmäßig dichte Markierungsknopfreihen ersetzt werden. In verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen (§ 45 Absatz 1d) können Fahrbahnbegrenzungen auch mit anderen Mitteln, insbesondere durch Pflasterlinien, ausgeführt sein. Schriftzeichen und die Wiedergabe von Verkehrszeichen auf der Fahrbahn dienen dem Hinweis auf ein angebrachtes Verkehrszeichen.“ (StVO §39 „Verkehrszeichen“, Absatz 5, 01.04.2013)


Nicht-Straßenbegleitende Wege

Dieser Wegtyp ist ein typischer alleinstehender Weg, der oft einen eigenen Namen führt. Sofern Fußgänger dort nicht durch Zeichen 237 verboten sind oder eine Absperrung zu passieren ist, darf man dort zu Fuß unterwegs sein.

Tagging: highway=path ohne weitere access-Tags.

Todo: Was gilt für's Radfahren? Stand der Recherche: Wenn nicht ausdrücklich verboten, nutzen Radfahrer die Fahrbahn (da Fahrräder zu Fahrzeugen zählen). Vermutlich gilt auf den betreffenden wegen ohnehin keine StVO - wenn nicht explizit darauf hingewiesen.


Beschilderte Wege

Auf welchen Weg, Spur oder Fahrbahn ein Zeichen rechtlich angewendet wird, wird durch die Position des Schildes festgelegt.

„Als Schilder stehen sie regelmäßig rechts [vom Geltungsbereich]. Gelten sie nur für einzelne markierte Fahrstreifen, sind sie in der Regel über diesen angebracht.“ (StVO §39 „Verkehrszeichen“, Absatz 2).
Kritik: Ungenauigkeit bezüglich Freigaben für Fahrräder. Außerdem ist "regelmäßig" irreführend. (Siehe Zeichen 237 schließt die Benutzung durch Fußgänger nicht aus)

Solche Straßen auf denen wegen entsprechender Schilder am Straßenbegleitenden Radweg nicht gefahren werden darf, sollten mit bicycle=use_sitepath getaggt werden.

footway

beschreibt ersichtlich hauptsächlich zur Benutzung durch Fußgänger gebaute Wege. Hindernisse wie Bordsteinkanten, Treppen oder Umlaufgitter können auf diesen Wegtypen hinweisen. Per default gilt hier (in Deutschland) foot=designated und bicycle=no.

cycleway

sollte nur genutzt werden, falls ein parallel verlaufender Fußweg mit entsprechender Beschilderung existiert. Besteht keine bauliche Trennung durch ein Hindernis (z.B. Grasflächen oder Findlinge), sollte dieser Tag nicht verwendet werden und IMHO besser highway=path genutzt werden. Per default gilt hier (in Deutschland) bicycle=designated und foot=no.

In Zukunft immer weniger beschilderte straßenbegleitende Radwege

In Bremen wurden bereits zahlreiche Schilder, die bisher die Benutzung des Radweges vorschrieben abgebaut. Hintergrund ist eine Änderung in der StVO. Siehe auch Wikipedia-16px.png Radverkehrsanlage#Verkehrstechnische_Voraussetzungen_f.C3.BCr_die_Anordnung on Wikipedia.

Zusammenfassung

Folgende Tabelle enthält nur Straßenbegleitende Verkehrsanlagen - keine Eigenständigen Wege.

Erfassungsmethoden Tags an separat eingezeichnetem Weg Tags an Fahrbahn
Parallel verlaufender (separater) Radweg Bordsteinradweg Radfahrstreifen
Erfassung an der Straße - cycleway=track,
cycleway:left=track oder
cycleway:right=track
cycleway=lane,
cycleway:left=lane oder
cycleway:right=lane, andere
Erfassung als eigenständiger Weg Am Weg highway=path oder highway=footway mit ggf. footway=sidewalk. Nur bei Zeichen 237, 240 oder 241: bicycle=use_sidepath. -
Mitgliedschaft in type=street-Relation mit Rolle sidepath (von der Community noch nicht Empfohlen). Mitgliedschaft in type=street-Relation mit Rolle street.
Tagging bezüglich access=*
Radweg/Radfahrstreifen straßenbegleitend ohne Beschilderung
zu identifizieren anhand der baulichen Anlage und/oder von Fahrbahnmarkierungen wie Leitlinien und Piktogrammen (z.B. Wikipedia-16px.png Radverkehrsanlage#Schutzstreifen on Wikipedia)
bicycle=designated
und i.d.R. foot=designated.
-
Radweg/Radfahrstreifen mit Zeichen 237
Zeichen 237: Radweg

(traffic_sign=DE:237)
bicycle=designated
und gegebenenfalls foot=yes.
-
gemeinsamer Fuß-/Radweg mit Zeichen 240
Zeichen 240: gemeinsamen Fuß- und Radweg

(traffic_sign=DE:240)
wie zuvor, zusätzlich
foot=designated
segregated=no und
-
footway=sidewalk sidewalk=both/left/right/none
getrennter Fuß-/Radweg mit Zeichen 241
Zeichen 241: getrennter Fuß- und Radweg

(traffic_sign=DE:241)
wie zuvor, jedoch
segregated=yes
-

Weitere Vorschläge

Einbahnstraßen

sollten mit oneway=yes erfasst werden. Bei Straßen, die durch motorisierte Fahrzeuge befahrbar sind, kann für eine Freigabe für den Radverkehr in Gegenrichtung cycleway=opposite, oneway:bicycle=no hinzugefügt werden.

Für beide Richtungen freigegebene Radwege

Erfassung an Fahrbahn

todo cycleway:oneway:bicycle=no oder cycleway:left:oneway:bicycle=no bzw. cycleway:right:oneway:bicycle=no

Im Wiki wird hier eine fragwürdige Variante mit cycleway=track und oneway:bicycle=no vor geschlagen: Siehe Beispiel T2 in Bicycle#Cycle_tracks.

Erfassung mittels separatem Weg

Ein oneway=no an highway=path/cycleway/footway. oneway:bicycle=no ist nicht nötig, da dies durch oneway bereits impliziert wird.

Für Fußgänger hat oneway=yes/no keine Relevanz.


Es ist nicht alles beschildert wie es nach Wiki zu erwarten ist

Zeichen 237 schließt die Benutzung durch Fußgänger nicht aus

bzw. in Bremen kann sich nicht immer nach StVO bewegt werden.

Zeichen 237.svg
Zeichen 237

In Bremen ist die Beschilderung zahlreicher Wege mit dem Zeichen 237 nicht im Sinne des Wikis beschildert. An vielen Straßenbegleitenden Rad- und Fußwegen steht dieses Schild, obwohl betreffender Weg für Fußgänger der einzige ist. Ist ein Radweg in Gegenrichtung freigegeben wird dieses Schild ebenfalls aufgestellt. Auf die Fußgänger hat es dann keine Auswirkung.

Nach StVO befindet sich die geltende Beschilderung rechts von Betreffender Spur/Weg.

Für die Gegenrichtung steht dieses fast immer links vom Radweg, was zu dem Missverständnis führen kann, dass der Gehweg für den Fahrradgegenverkehr genutzt werden könne.

Bsp: Schwachhauser Heerstr. (falls noch vorhanden folgt Foto)

Ist solch ein Schild in die übliche Fahrtrichtung statt des Zeichens für "Getrennter Rad- und Gehweg", so kann dies irreführend sein.


D.h. highway=cycleway, foot=designated bzw. highway=path, bicycle=designated, foot=designated

Zeichen 239 verbietet (häufig) das Radfahren

Zeichen 239.svg
Zeichen 239

und ist in der Regel nur bei nicht-straßenbegleitenden Wegen vorhanden. Betreffende Wege sind nach StVO nur Fahrrad fahrend nutzbar, wenn explizit die Beschilderung "Fahrrad frei" vorhanden ist.

Möchte man diesen Umstand eindeutig erfassen, sollte man in jedem Fall bicycle=no mappen.

D.h. highway=footway, foot=designated bzw. highway=path, foot=designated, bicycle=no


Beispiele mit Taggingvorschlägen

sind nun auf Bremen/Radverkehrsanlagen zu finden.

Negativbeispiele

ID Foto Beschreibung Alternative Lösung Koordinaten Diskussion
1 Neverdo sidewalks mapped as way.png Enge Wohnstraße mit Bürgersteig und teilweise darauf parkenden Autos. entsprechendes Tagging an Straße (siehe oben) 53,0907963, 8,8023339
2 Neverdo sidewalks with cycleways as separate.png Bürgersteig mit Radweg an einer stark befahrenen Straße jeweils separat erfasst. entsprechende Erfassung als highway=path (siehe oben) 53,1005535, 8,8055665
3 Neverdo mapping cycleway tracks this way.png Stark befahrene Hauptstraße mit Fahrbahnbegleitendem Radweg und Bürgersteig, welche nur durch einen Bordstein von der Straße getrennt sind. entsprechendes Tagging an Straße (siehe oben) 53,0527725, 8,8174404
4 Neverdo mapping separate and without connection.png Stark befahrene Hauptstraße mit Fahrbahnbegleitendem Radweg. Passieren der Hauptstraße zwischen Grünfläche und Wohngebiet zu Fuß möglich. Hier geben die Daten diese Möglichkeit jedoch nicht wieder. entsprechendes Tagging an Straße (siehe oben) und alle mündenden Wege mit Straße verbinden. 53,0665665, 8,845002
5 Neverdo mapping separate and without connection 2.png Stark befahrene Hauptstraße mit Fahrbahnbegleitendem Radweg. Passieren der von Radweg in Seitenstraße über dafür vorgesehenen Weg möglich. Fehlender Weg hier markiert durch rot markierten Weg. Weg wie dargestellt einzeichnen und entsprechende Tags setzen. Benutzung für Fußgänger ebenfalls überprüfen. 53,0701336, 8,8330889
6 Neverdo mapping as separate ways and plus double tagging.png Nebenstraße mit Radweg auf Bürgersteig nur durch Bordstein getrennt. Das Überqueren der Straße ist jederzeit erlaubt.
Problem 1: Die daten suggerieren, dass zuerst ein Umweg bis zur Kreuzung genommen werden muss, um ein Haus auf der gegenüber liegenden Seite zu erreichen.
Problem 2: Die Straße ist selbst mit cycleway=track getaggt, was die separat eingezeichneten Wege überflüssig macht.
Problem 3: Da es einen separat erfassten Gehweg gibt, darf im Normalfall nach StVO nicht auf der Straße gegangen werden. Es bedürfte also eines Zusatztags wie foot=use_sidepath an der traße. Es wäre jedoch deutlich besser hier sidewalk=both an der Straße zu nutzen.
entsprechendes Tagging an Straße (siehe oben) 53,0701336, 8,8330889
7 Radweg probleme no7.gif Auch wenn einige Renderer diese Mappingmethoden anschaulich rendern. Umsetzungen wie diese, führen zu Mikro-Routing, welches nicht unbedingt sein müsste und dessen Sicherheit fragwürdig ist. In den meisten Fällen werden entsprechende Straßenbegleitende Radwege aber gar nicht benötigt. Aus Osten kommend entsteht eine ähnliche Situation. entsprechendes Tagging an Straße (siehe oben) ggf. Workaroundwege 53,0764312, 8,8548173

Probleme anhand von Beispielen

Wenn man dem Wiki folgt und vermeidet Fahrbahnbegleitende Radwege in die OSM einzugeben, kann man auf Probleme wie die folgenden stoßen.

Workaround-Wege

Workaround-cycleway-on-street-tagging.png

Von der von rechts kommenden Einbahnstraße ist man mit dem Fahrrad unterwegs und möchte dem Radweg nach links folgen. Man würde in der Realität geradeaus fahren. Ohne einen zusätzlichen Weg, der so in Wirklichkeit nicht existiert, müsste man also einmal links abbiegen und sofort wieder rechts.

Daraus resultierende Routinganweisungen wären an dieser Stelle also falsch und unbrauchbar.

Die Lösung ist, einen Weg hinzuzufügen, der in einem sehr spitzen Winkel auf die Straße trifft, auf der man bleiben würde. Hier wäre außerdem natürlich nötig, Radfahrer von dem Abbiegeverbot auszunehmen.

Neue Verbindungen durch OSM-Daten, die in Realität nicht existieren

Errors-by-using-the-on-street-tag-cycleway blank.png

Dieses Bild zeigt eine Straße, welche eine Eisenbahnbrücke unterquert. Die Fahrbahn ist von den begleitenden Rad- und Gehwegen durch Stützwände und Geländer getrennt. Von einem Fahrbahnbegleitenden Rad-/Gehweg geht eine Treppe ab. Die Treppe ist also von der anderen Straßenseite oder der Fahrbahn nicht erreichbar, was durch folgende Grafik illustriert wird.

Errors-by-using-the-on-street-tag-cycleway problem.png

Der rote Pfeil zeigt den in Wirklichkeit nicht möglichen Weg.

Eine Lösung könnte sein, die fahrbahnbegleitenden Wege separat zu mappen, was wie folgt aussehen kann.

What the barrier-details.png

Alternativ kann dieses Problem auch wie unten mit crossing=no gelöst werden.

Turn-Ristrictions für Fußgänger

Es ist mittels Relationen kein Problem eine durchgezogene Linie mit den bisherigen Tags zu modellieren, wie folgende Grafik veranschaulicht.

Continues-line-prohibits-to-turn.png

Ein analoges Problem für das Fußgängerrouting:

Continues-line-prohibits-to-turn pedestrians.png

Für Fußgänger führt eine unüberquerbare Straße jedoch in einem analogen Fall zu Routingfehlern. Denn diese können an der gezeigten Stelle nicht gefahrlos die Straße überqueren. Man benötigt also Zusatzinformationen, anhand derer sich ein Routingalgorithmus korrekt orientieren könnte. Eine Lösung könnte die folgende sein.

Continues-line-prohibits-to-turn pedestrians solution.png

Statt Relationen zu benutzen erhalten die gemeinsamen Knoten von Straße und Fußweg den Tag crossing=no. Ein Routingalgorithmus könnte nun solange vermeiden "die Straßenseite zu wechseln", bis kein Knoten mit crossing=no mehr folgt.

Weiterführendes