DE:The license, where we are, where we're going

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This is a rough translation of RichardF's opengeodata.org article of the same name. The article was written in January 2008 so don't put it too much into today's context.

Dies ist eine (freie und in gekennzeichneten Bereichen gekürzte) Übersetzung des Artikels "The license: where we are, where we're going" vom 7.1.2008 von Richard Fairhurst aus dem opengeodata.org-Blog. Der Artikel ist recht alt und sollte daher nicht zu sehr in den heutigen Kontext übertragen werden, aber die Einführung ist durchaus gültig.

Die Lizenz: Wo wir stehen und wo es hingeht

Seit der Gründung von OpenStreetMap vor drei Jahren ist die Lizenz einer der meistdiskutierten Aspekte des Projekts.

Gegenwärtig stimmt jeder, der Daten beiträgt, zu, dass seine Betriäge unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike licence, version 2 (kurz CC-BY-SA 2.0) lizenziert werden. Das bedeutet:

  • Jeder kann OSM-Daten kopieren.
  • Wenn man OSM-Daten in etwas anderes einbaut, muss dieses "andere" ebenfalls unter der gleichen Lizenz kopierbar sein (ShareAlike).
  • Wenn man OSM-Daten kopiert oder einbaut, muss man den Rechteinhaber nennen (Attribution).

Auf den ersten Blick scheint das kaum kritikwürdig zu sein. Aber, wie es mit allen rechtlichen Dingen so ist, steckt der Teufel im Detail. Muss man zehntausend unterschiedliche Mapper einzeln beim Namen nennen, oder nur "OpenStreetMap"? Gilt das Hinzufügen einzelner Layer in einer Art Mashup auch schon als "OSM-Daten in etwas einbauen"?

Diese und andere Fragen haben die Abonnenten der legal-talk-Mailingliste jetzt für über ein Jahr zum fröhlichen Diskutieren angeregt. Viele dieser Probleme entstehen, weil Creative Commons (das "CC" in unserer Lizenz), wie der Name schon andeutet, primär für "kreative Werke" gedacht ist — für Musik, Literatur, und so weiter. OpenStreetMap produziert aber im Gegensatz dazu Daten: eine faktische, unwidersprüchliche Darstellung der Welt, die um uns herum existiert.

Als OSM anfing, waren wir alleine. Keine andere Webseite hatte eine nennenswerte Menge von benutzergenerierten und öffentlich lizenzierten Daten. Die wenigsten hatten überhaupt irgendwelche offenen Daten. Es ist also nicht verwunderlich, dass es keine offensichtliche Wahl für die Lizenz hab.

Heute sieht es etwas rosiger aus. "Offene Daten" ist ein Thema, dessen Anhängerschaft schnell wächst — und zum Glück heisst das auch, dass jene mit der Befähigung, Lizenzen zu schreiben, ihr Wissen einsetzen, um genau die Probleme zu lösen, die wir haben.

Die Situation heute

Als gewähle Vertreter der OSM Foundation haben wir in den vergangenen Monaten oft über dieses Thema gesprochen.

Wir sind uns dessen bewusst, dass es mit großen Risiken verbunden wäre, einfach so weiterzumachen wie bisher. Zum Teil deshalb, weil wir es gern besser machen wollen: Wenn eine größere Anzahl von Nutzern mit der augenblicklichen Lizenz unzufrieden ist, dann wollen wir versuchen, eine Lösung zu finden, die alle zufriedenstellt, auch die, denen der Status Quo recht ist.

Viel wichtiger ist aber, dass es nicht von der Hand zu weisende Juristenmeinungen gibt, die sagen, dass unsere existierende Lizenz (für unsere Zwecke) in den meisten Teilen der Welt ungültig ist. Die Creative Commons-Lizenzen fußen auf dem Urheberrecht. In Europa sind aber Geodaten hauptsächlich durch das Datenbankrecht geschützt, und in den USA ist der einzig verfügbare Schutz für solche Daten ein vertraglicher. OSM-Daten befinden sich möglicherweise derzeit in einem seltsamen rechtlichen Niemandsland, und wenn zum Beispiel eine grössere Geodatenfirma käme und unsere Daten nähme und die Lizenz einfach ignorierte, wären wir dagegen nicht geschützt. (Siehe hier für die EU-Sichtweise, hier für die US-Sichtweise, und die Creative-Commons-Sichtweise steht weiter unten und hier in §5.2.)

Als die OSM Foundation kontrollieren wir das Projekt nicht, aber wir versuchen, in seinem besten Interesse zu handeln. Es wäre fahrlässig von uns, nicht nach Alternativen zu suchen.

Die Suche nach einer besseren Lösung

Wir sind dabei von den folgenden Voraussetzungen ausgegangen:

  • Wir müssen Alternativen zur CC-By-SA für künftige Datenlizenzierung untersuchen.
  • Im Grundatz muss jede neue Lizenz, um eine Chance auf Akzeptanz in der Community zu haben, die gleichen drei Lizenzelemente wie die heutige Lizenz haben (frei kopierbar, share-alike und Nennung der Quelle).
  • Die Lizenz muss zu der Tatsache passen, dass wir eine riesige Datenbank mit sehr vielen Autoren haben.

Es ist klar, dass die Empfehlung, zu der wir am Ende kommen, in allererster Linie den Interessen des Projektes dienen muss, auch wenn einzelne von uns vielleicht sehr ausgeprägte Meinungen zu dieser Frage haben.

Der Ansatz der Creative Commons

Durch die Science-Commons-Initiative hat Creative Commons kürzlich ein "Protokoll" zu Open Access Data veröffentlicht. Dabei geht es hauptsächlich um wissenschaftliche Daten.

Die Herangehensweise ist ungewöhnlich: Das Protokoll empfiehlt, dass alle solche Daten als "Public Domain" publiziert werden sollen, ohne eine Share-Alike- oder Attribution-Regel. Diese Anforderungen sollen stattdessen als eine unverbindliche "Norm für Zitierungen" formuliert werden. Der, der die Daten veröffentlicht, würde also um Share-Alike und Namensnennung bitten, könnte das aber nicht einfordern.

Warum das? Creative Commons sagt, dass das Urheberrecht für Fakten nicht uneingeschränkt gelte: "Viele Datenanbieter entscheiden sich, allgemeine Lizenzen wie GPL oder CC zu verwenden, um eine Intention auszudrücken [...] Aber ein Benutzer könnte den gesamten Inhalt extrahieren (sofern es sich um nicht geschützte faktische Information handelt) und diesen Inhalt neu veröffentlichen, ohne sich dabei um die Lizenz zu kümmern. Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass der Datenanbieter sich in diesem Fall ausgetrickst vorkäme. Das ist kein erstrebenswertes Ziel."

Die Zusammenfassung ist korrekt. Die Lösung, zu der Creative Commons kommt — alle Daten Public Domain zu machen — ist aber für einige OSM-Mitstreiter unangenehm. Das hat den folgenden Grund:

In der Welt der Wissenschaft, für die dieses Protokoll erdacht wurde, ist das Zitieren fremder Werke ganz alltäglich. Wissenschaftliche Artikel werden immer auf jene verweisen, auf deren Arbeit sie aufbauen, und tun sie das nicht, werden sie nicht ernstgenommen. Wenn Science Commons also von einer unverbindlichen Norm für Zitierungen spricht, können sie davon ausgehen, dass die Leute sich an diese Norm halten werden. John Wilbanks von Science Commons schreibt das auch in diesem interessanten Artikel: "Wir mussten darüber nachdenken, diese ganzen sozialen Ziele aus der Rechtswelt herauszunehmen und in eine Welt zu verschieben, die die Wissenschaftler kontrollieren — Normen."

Mit Geodaten ist das nicht unbedingt der Fall. Wenn eine grosse Datenfirma wie TeleAtlas oder Navteq die Arbeit von OSM-Autoren in ihren Daten benutzen wollen, gibt es keinen wirtschaftlichen Zwang für sie, anzugeben, woher die Daten kommen — und schon gar nicht, den Rest ihrer Daten unter unseren Bedingungen verfügbar zu machen. Unsere Arbeit würde dann ausserhalb der Welt benutzt, die wir kontrollieren können.

Andere OSM-Autoren sagen "na und?", weil sie annehmen, dass unsere kostenlosen, hochwertigen und regelmäßig aktualisierten Daten sowieso immer besser sind als jedes kommerzielle Produkt. Aber auch diese (zu denen ich mich auch selbst zähle) geben zu, dass nicht jeder im Projekt diese Ansicht teilt, so dass es unwahrscheinlich ist, dass eine Lizenz auf dieser Basis sich durchsetzen könnte.

Die Alternative

Wenn also die existierende Creative-Commons-Lizenz eventuell ungültig ist und die neue Creative-Commons-Lizenz sehr wahrscheinlich auf Widerstand stösst, was sollen wir dann unternehmen?

Die bislang vielversprechendste Antwort kommt aus dem Open Data Commons-Projekt. ODC ist im Wesentlichen die Arbeit von zwei Juristen, Jordan Hatcher und Charlotte Waelde, beides Spezialisten für Urheberrecht, besonders im Bereich elektronischer Daten, und mit großen geografischen Fachwissen. Sie haben mit Creative Commons zusammengearbeitet (das oben genannte Open Access Data Protocol ist größtenteils ihr Werk) und wurden großzügig von der Firma Talis gesponsort, die mit wissenschaftlichen Daten handelt.

Zusätzlich zur Public-Domain-Erklärung, die sie für die Creative Commons entwickelt haben, sind die beiden auch Autor eines Lizenzpaares (der Open Database License und der Open Data Commons Factual Info License), die gemeinsam einen Satz von Regeln aufstellen, der besonders für OSM-Daten geeignet scheint. Die wichtigsten Punkte sind

  • Die Datenbank ist durch Share-Alike geschützt
  • Namensnennung (Attribution) für das Projekt wird gefordert
  • Die Lizenz fußt auf Urheberrecht, Datenbankrecht und Vertrag, so dass sie auch in anderen Rechtsräumen gilt
  • Das Ausmaß der Share-Alike-Klausel ist explizit formuliert

In anderen Worten: Die Lizenz behält die wichtigen Elemente der OSM-Lizenz bei (kopierbar, share-alike, Namensnennung; sie ist unzweifelhaft für Daten gültig; und sie gibt definitive Antworten auf Interpretationsfragen (wie zum Beispiel wessen Namen man zu nennen hat und wie weit das Share-Alike geht).

Wie weiter?

Dieser Absatz schien dem Übersetzer nicht (mehr) relevant genug für den Leser von heute. Im Wesentlichen stand hier: "Wir wollen weiter am Ball bleiben und hoffen, dass die ODbL für uns geeignet ist. Bitte sagt uns Eure Meinung."