DE:what3words

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what3words (what3words.com) ist ein Dienst, der ein Tuple bestehend aus drei Wörtern einer 3x3 m-Gitterzelle zuordnet. Als solcher ist what3words kein Adressierungssystem, sondern ein Koordinatenkodierungssystem. Es weist einzelnen Objekten keine Adresse zu, stattdessen kodiert es deren Koordinaten in Form einer textuellen Repräsentation.

Nicht offenes, unfreies, patentiertes Koordinatensystem

what3words ist ein besonders unfreies, nicht offenes System zur Kodierung von Koordinaten (z.B. zur Koordinatenübermittlung/Positionsangabe). Es gibt mehrere Stufen der Nichtoffenheit:

  • Der Algorithmus bzw. die Idee ist patentgeschützt, was aktiv die Implementierung eines kompatiblen Algorithmus oder die Entwicklung eines konkurrierenden Standards durch Dritte verhindert (die Gültigkeit des Patents wird angezweifelt)
  • Zusätzlich zu diesem Patent ist die Software zum Kodieren/Dekodieren urheberrechtlich geschützt und nicht offen. Jegliche Software, die du findest oder durch Reverse Engineering der Website oder mobiler Apps entwickelst, darf nicht kopiert oder legal weiterverwendet werden. What3words hat Github mit einer DMCA-Takedown-Notice dazu aufgefordert, reverse-engineerten Code zu entfernen.
  • Das Schema erfordert das Abfragen einer Datenbank in einem gewissen Maße. Die Kodierung/Dekodierung ist teilweise algorithmisch (Es ist nicht jeder Drei-Wort-Code in einer Datenbank hinterlegt), aber es benötigt teilweise eine Datenbank. Die Datenbank ist (zumindest) eine Wortliste und enthält einige zusätzliche Informationen, um für verschiedene Gegenden verschiedene Sprachen zu verwenden. Die Datenbank ist in Apps integriert, die offline nutzbar sind, und die alleinigen Nutzungsrechte an dieser Datenbank liegen bei what3words. Bei einer Online-Nutzung erfordert der Einsatz von what3words den Zugriff auf die what3words-Server, was den Lock-in-Effekt des Dienstes unterstreicht. Selbst wenn die Patente und Urheberrechtsansprüche auf die Software in deinem Land nicht gerichtlich durchsetzbar wäre, wäre die proprietäre Datenbank erforderlich, um mit what3words kompatibel zu sein.

Diese Schutzmaßnahmen sind üblich für viele IT-Firmen und man kann die Frage für und wider what3words auch zu einer Debatte Closed Source vs. Open Source zusammendampfen. Viele Mitglieder der OpenStreetMap-Community befürworten Freie und Open Source und dies ist eine Entscheidung, die wir fällen. Dennoch gibt es in dieser Frage noch ein paar andere Dinge zu berücksichtigen …

what3words ist vom Software-Engineering-Standpunkt her gesehen relativ simpel und daher eher ein Versuch, einen Verfahren zur Positionsübermittlung durchzusetzen. Es wird nur durch den Netzwerkeffekt erfolgreich sein, wenn Leute das Verfahren einsetzen und ihre Koordinaten in dieser Form Dritten mitteilen. Sollte es Erfolg haben, wird der Lock-in-Effekt wirksam und ein exklusives Monopol entsteht.

Heutzutage ist es üblich für jeden neuen, einfachen Standard, ihn offen zu dokumentieren und Software zur Kodierung und Dekodierung als Open-Source-Software zu veröffentlichen. Viele Leute erwarten das von einem neuen Standard. IT-Experten und IT-Nutzer haben in der Vergangenheit am eigenen Leib erfahren, welche negativen Auswirkungen ein Lock-in-Effekt haben kann, wenn eine einzelne Firma sich mit ihren geschlossenen System durchsetzt. Daher wirst du zahlreiche Leute finden, die sich nicht nur weigern werden, what3words einzusetzen, sondern auch deutlich dagegen aussprechen werden.

what3words ist in OSM unerwünscht!

Wir tragen keine what3words-Koordinaten in OpenStreetMap ein. Die Gründe dafür sind:

  • Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von what3words verbieten explizit das Kopieren ihrer 3-Wort-Codes.[1] (Selbst, wenn wir es wöllten, dürften wir es nicht tun.)
  • OpenStreetMap unterstützt nicht die Verbreitung nicht offener Koordinatenkodierungsstandards (siehe oben)
  • Wir vermeiden, Daten in OpenStreetMap zu erfassen, die in irgendeiner Art und Weise automatisiert abgeleitet werden können. Zum einen, weil es unnötig ist. Wenn du diese Daten verwenden möchtest, kannst du sie dir relativ einfach auch ohne OpenStreetMap-Tags herleiten. Zum anderen, weil wir niemanden dazu ermutigen wollen, automatisierte Prozesse zum Hochladen abgeleiteter Daten einzusetzen. OpenStreetMap ist primär eine Sammlung beobachtbarer Daten. Sekundär abgeleitete Daten gehören nicht in OpenStreetMap. Dieses Prinzip zeigt sich auch in anderen Diskussionen für und wider der Erfassung bestimmter Dinge in OpenStreetMap.

Weitere Informationen können in einer Diskussion auf der Talk-Mailingliste vom November 2015 nachgelesen werden.

Mongolei

Im Mai 2016 hat die mongolische Post what3words zum offiziellen Adresssystem des Landes erklärt. Die oben genannten Gründe gegen eine Erfassung von what3words-Codes in OSM gelten dennoch.

Heißt das, dass wir es den Bewohnern der Mogolei verweigern, ihre Adressen in OpenStreetMap zu erfassen? Einerseits ja. Das ist einer der Nachteile, die die mongolische Post den Bewohnern der Monoglei zugefügt hat (Das böse Erwachen steht noch bevor, nämlich dann, wenn what3words sein Monopol ausnutzt). Andererseits verweigern wir ihnen gar nichts, denn ihre Adressen sind automatisch ableitbar und würden daher trotzdem nicht in OpenStreetMap erfasst werden.

Alternativen

Es gibt noch andere Koordinatenkodierungssysteme, die drei Wörter verwenden
Nein, es gibt sie nicht, denn die Idee ist patentiert. – Oooooh. – Du hast es hoffentlich verstanden?

  • open3words Die Schließung dieses Dienstes wurde erzwungen. Sein gesamter reverse engineerter Code und die gesamten Daten wurden von Github aufgrund rechtlicher Schritte durch What3words entfernt.
  • Es existieren System zur Kodierung jeglicher Daten als Tupel englischer Worte, z.B. WCodes

ein Vergleich verschiedener Koordinatenkodierungssysteme

Andere Koordinatenkodierungssysteme, die Länge und Breite zusammenfassen

  • OpenStreetMap-Shortlink, speziell für Kurz-URLs entworfen
  • Xaddress, zwei zufällige Wörter und eine Nummer (entworfen, um einer Adresse zu ähneln)
  • Geohash auf Wikipedia
  • Open Location Code, stammt von Google, aber völlig frei und offen
  • Volksnav
  • QTH-Locator auf Wikipedia, im Amateurfunk genutztes System zur Standortangabe

Parodien von what3words:

Quellenangaben

  1. what3words Terms & Conditions”.  »Any copying, re-utilisation, extraction, reproduction or redistribution of the content of the Intellectual Property is expressly prohibited […]« (übersetzt: »Jegliches Kopieren, Weiterverwenden, jegliche Extraktion, Reproduktion oder Weitergabe geistigen Eigentums ist ausdrücklich untersagt […]«