User:Species/Access2Life

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Forschungsprojekt Access2Life

Access2Life Logo

Mobiles Assistenzsystem für mobilitätseingeschränkte Menschen



Im Rahmen des 2-jährigen Forschungsprojektes Access2Life - gefördert durch die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG) - ist die Entwicklung eines umfassenden, mobilen Assistenzsystems für mobilitätseingeschränkte Personen geplant.

Es wird eine mobile Applikation (Handy-App) geschaffen, die mobilitätsbeeinträchtigten Menschen das Unterwegssein im öffentlichen Raum erleichtert.

Das Alleinstellungsmerkmal liegt dabei im Aufbau von Assistenzleistungen entlang der gesamten Dienstleistungskette:

  • unterschiedliche Benutzerprofile des Navis
  • „Frei/Belegt“ Anzeige bestehender Behindertenparkplätze
  • Etablierung eines SMS-Dienstes zur Überwindung von Restbarrieren.
Die Zielgruppe mobilitätseingeschränkter Menschen umfasst einen größeren Personenkreis, als vielen bewusst ist. Das System bietet RollstuhlfahrerInnen mit und ohne Assistenz, Menschen die vorübergehend, durch Verletzungen oder nach Operationen, oder dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, Menschen die mit Kleinkindern unterwegs sind und älteren Menschen Unterstützung. 

Beim Access2Life-Projekt sollen die Fehler aus dem ähnlichen, aber nicht soweit gehendem Projekt Namo vermieden werden. Die Mitarbeit der Community wird aktiv gewünscht!

User:Species hat versucht, nach bestem Wissen und Gewissen etablierte Standards zu berücksichtigen - wir bitten um aktive Diskussion und Verbesserungsvorschläge!

Wenn Bedarf besteht, können wir gerne vor Ort in Gleisdorf einen Stammtisch mit Teilnehmern und lokalen Mappern organisieren, um über unser Vorhaben zu informieren, bitte User:Species kontaktieren!


Zeitlicher Ablauf

Das Projekt selbst wird erstmals auf 2 Jahre gefördert und läuft seit Mitte 2013.

Die ersten Mapping-Versuche haben im Mai 2014 begonnen, über den Sommer soll komplett Gleisdorf gemappt werden.

Nach Ende des Projektes sollten im Sinne von OSM die Daten von den Rollifahrer_innen und anderen Mappern vor Ort weitergepflegt werden.


Gebiet

Gebiet für Access2Life (Screenshot JOSM)

Als Testregion wurde aufgrund der breiten Unterstützung (und überschaubaren Gebietsgröße) der Kern von Gleisdorf gewählt.

Es wurden ca. 1.8 km² Fläche abgesteckt, innerhalb der sich 38km Straßen und Wege befinden.


OSM als ideale Plattform für Routing mobilitätseingeschränkter Menschen

Die Anforderungen von Routing für 10 unterschiedliche Profile kann von keinem anderen Kartenprovider außer OSM erfüllt werden - daher fiel die Wahl auf OSM als Datenbasis leicht.

Vorteile für die OSM-Community durch die Zusammenarbeit:

  • Eine Testregion für barrierefreies Routing entsteht
    • Erste Demonstration von mehreren spezialisierten Routingprofilen
  • Gleisdorf wird komplett mit allen Häusern, Nummern und POIs erfasst
  • Wir haben durch das Projekt die Möglichkeit bekommen Rollifahrer_innen anzustellen, die vor Ort mappen.
  • Das Wissen zum aktuell-halten der Karte bleibt bei den neuen Mappern vor Ort erhalten

Mapping

Geplant ist die komplette Erfassung aller routingrelevanten Features in Gleisdorf - das umfasst:

Das Mappen vor Ort passiert mittels Field Papers und übertragen mittels JOSM.

Besonders wichtig für Rollis sind folgende Attribute:

  • Breiten - Rollis benötigen laut Ö-Norm 80cm, E-Rollis 90cm
  • Steigungen (max. 6% für Rampen)
  • Querneigungen von Wegen (max. 2% erlaubt)
  • Bordstein- und Stufenhöhen (max. 3cm laut Norm für Selbstfahrer)

Für das effiziente Mappen wurden JOSM-Vorlagen, sowie ein MapPaint-Stil zur Visualisierung der Attribute erstellt. Der Kartenstil findet sich in JOSM unter MapPaint-Stile/“Wheelchair Routing Attributes”, die Vorlagen heißen „Gehwege, Randsteine & Eingänge für Rollis“.

Den Quellcode aller erstellten Dinge hat User:Species auf github gestellt.

Mapping-Richtlinien

Es sollen weitestgehend vorhandene OSM-Attribute genützt werden.

Für den Kartierungsvorgang ist ein Handbuch (pdf) erstellt worden. In dem Handbuch ist beschrieben, wie mit den Field Papers gearbeitet wird, sowie eine anfängergerechte Step-by-Step-Anleitung für JOSM enthalten.

Wichtigste Verbesserung ist, dass alle Gehsteige getrennt von ihren Straßen gemappt werden. Das “Micromapping” von Gehsteigen bringt folgende Vorteile:

  • Weglängenberechnung stimmt eher
  • Ampeln können umgangen werden
  • weniger kompliziertes Tagging nötig
  • automatische Steigungsberechnung aus dem Laserscan nur so möglich
  • Weniger Aufwand, die Router zu programmieren, vorhandene können verwendet werden
Auch wenn ein Randstein auf den ersten Blick nicht als Trennung zwischen Straße und Gehsteig scheint, 
für einen Teil der Menschen stellt mehr als 3cm Randstein eine unüberwindliche Barriere dar!

Eine (lange) Diskussion um das für und wider separaten Gehsteigmappings kann auf talk-at nachgelesen werden. Das Ergebnis der Diskussion war verkürzt gesagt: Ob getrennt oder nicht sei freigestellt, es muss nur richtig und sinnvoll gemacht werden.

Gehsteige

Bei den Gehsteigen werden folgende Attribute gesetzt:

Visualisierung von Wege-Attributen:
· width,
· surface,
· smoothness,
· incline,
· incline:across

optional:

Im Bild rechts ist die Visualisierung der Eigenschaften via JOSM-Stil zu sehen.

Bis auf die Steigung werden alle diese Attribute händisch erfasst - die Steigung wird dann aus dem Laserscan übertragen. Kurze steile Stücke (<3m) müssen auch händisch notiert werden, da der Laserscan nur in 1m Auflösung zur Verfügung steht.

Gehsteigkanten (Bordsteine)

Randsteintypen

Gehsteigkanten werden als Punkt auf den Gehwegen gesetzt. Sie treten üblicherweise beim Übergang von footway=sidewalk auf footway=crossing auf.

Sie bekommen folgende Tags:

Eine Vorlage für JOSM ist in „Gehwege, Randsteine & Eingänge für Rollis“ enthalten. Im JOSM-Stil werden die Randstein-Punkte wie im Bild rechts dargestellt.

Eingänge / Türen

Für ein korrektes Haustür-zu-Haustür - Routing ist natürlich auch die Erfassung der Türen und ihrer Rollstuhl-Eigenschaften wichtig. Ein Geschäft kann mehrere Eingänge haben, und vielleicht ist nur der Hintereingang Rollstuhl-gerecht.

Zwei Türen mit Rollstuhl-Attributen

Die Türen werden als Punkt am Gebäudeumriss erfasst, folgende Eigenschaften werden gesetzt:

Eine Vorlage für JOSM ist in „Gehwege, Randsteine & Eingänge für Rollis“ enthalten. Im JOSM-Stil werden die Türen mit Attributen wie im Bild rechts dargestellt.

Korrektes Mapping von Kreuzungen

Getaggte Kreuzung mit JOSM-Stil

Eine beispielhaft gemappte Kreuzung sieht man im Bild rechts.

Wichtig ist, dass die barrier=kerb wirklich erst auf den querenden Weg über die Straße gesetzt werden, und nicht einfach auf den Punkt der T-Kreuzung! Denn sonst würde der Router beim einfachen vorbeigehen an der Kreuzung auf ein Hindernis treffen.


Routing-Profile und ihre Anforderungen

Bei der Wahl des Tagging-Schemas wurde auf die Unterschiedlichen Anforderungen der folgenden 10 Benutzerprofile Rücksicht genommen:

Profil maximale Stufen/Schwellenhöhe maximale Anzahl Stufen Max. Steigung minimale Türbreite
Rolli (sportlich) ≤40 cm beliebig viele wenn Handlauf vorhanden 10% auf 10m 80 cm
Rolli (Selbstfahrer_in) ≤3 cm 0 6% auf 10m 80 cm
Rolli mit Unterstützung ≤16 cm 1 6% auf 10m 80 cm
E-Rolli Selbstfahrer_in ≤3 cm 0 6% auf 10m 90 cm
E-Rolli mit Unterstützung ≤3 cm 0 6% auf 10m 90 cm
Mobilitäts-Beeinträchtigt ohne Hilfsmittel ≤16 cm 2 6% auf 10m 80 cm
Mobilitäts-Beeinträchtigt mit Hilfsmittel (Gehstock, Rollator etc) ≤16 cm 2 6% auf 10m 80 cm
Mobilitäts-Beeinträchtigt mit Hilfsmittel und Unterstützung ≤3 cm 0 6% auf 10m 80 cm
Kinderwagen single ≤16 cm 1, mehr mit Rampe beliebig 80 cm
Kinderwagen doppel ≤16 cm 1, mehr mit Rampe beliebig 90 cm

Zusätzlich darf laut ÖNORM das Quergefälle für Rollstühle nicht mehr als 2% betragen.

Die Werte der Tabelle wurden gemeinsam mit CEDOS/Chance B erarbeitet und basieren auf der ÖNORM. Da das Testgebiet Gleisdorf erst am Anfang der barrierefreien Umsetzung steht, werden die real verwendeten Werte sicherlich während des Beta-Test noch angepasst werden müssen.


Mapper

  • User:Species übernimmt die Koordination und Einschulung der Mapper_innen

Rollifahrerinnen aus Gleisdorf:

Chance B:

Im Zuge einer Lehrveranstaltung (Themen zur Geovisualisierung) an der KF-Uni Graz haben Studenten unter folgenden Accounts mitgearbeitet:

Alle edits, die sich auf unser Projekt beziehen sollten mit dem Hashtag #access2life in der commit-message getaggt werden.

App

Die App wird für iOS und Android erscheinen und basiert auf dem Framework CartoType.

Die erste Alpha-Version wird wahrscheinlich gegen Ende des Sommers 2014 erscheinen.


Beteiligte Firmen

User:Species unterstützt die beteiligten Firmen beratend bei OSM-Themen.

  • GeoSys Wirtschafts- und Regionalentwicklungs GmbH (Gesamtprojektleitung)
  • Medianova eBusiness GmbH
  • NorthBridge IT Solutions GmbH
  • CFS Consulting, Franchise & Sales GmbH
  • Chance B, Gemeinnütziger Verein

Projektseite & Kontakt: Access2Life.