FOSSGIS 2024/OSM-Samstag/Ergebnisse/Wer nutzt OSM?

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Bericht von der Session "Wer benutzt eigentlich OSM-Daten und wie?"

Ausgangsfrage: Wie bekommen wir raus, wer alles OSM-Daten benutzt und auf welche Weise? Nicht nur wäre das einfach interessant zu wissen für uns Mapper, OSM "verkauft" sich auch besser, wenn wir sagen könnten, dass 67% aller Zahnärzte über 37 Jahren OSM benutzen. Vorallem müssen wir das aber auch deshalb wissen, weil wir ja die Daten nicht einfach nur so sammeln, sondern damit sie genutzt werden können. Erfassen der Daten und Nutzen der Daten gehören immer zusammen und diese Zusammenarbeit hat über die Jahre dazu geführt, dass OSM so nützlich ist. Solange das ein kleines Projekt war und man sich kannte war das relativ einfach, aber heute ist das Ökosystem OSM viel größer und unübersichtlicher.

Diskussion

Die Diskussion hat eine Menge Aspekte dieses Themas gestreift. Das hat sicher was mit der Diversität der OSM-Nutzung zu tun, aber es liegt auch daran, dass die ursprüngliche Fragestellung (absichtlich) etwas unscharf war. Ich habe mal versucht, die Aspekte hier zu sortieren.

Warum stellen wir diese Frage?

Da ist einmal der Wunsch der OSMer, einfach zu wissen, wer ihre Arbeit nutzt. Damit verbunden auch der Stolz, dass OSM so vielseitig genutzt wird und auch von bekannten Namen. Das wiederum läßt sich auch "werbetechnisch" ausnutzen. Wenn jemand fragt, wozu dieses OSM gut ist, dann ist ein bekannter Nutzer durchaus ein gutes Argument.

In der Diskussion wurden immer wieder gewisse Nutzer und Nutzergruppen genannt:

  • Öffentliche Verwaltung und verwandte Organisationen (ÖPNV, ...)
  • Wissenschaft
  • Feuerwehr und Rettungsdienste
  • Große, bekannte Firmen

Es geht bei der Frage aber um mehr. Die OSM-Community versteht die Nutzer als Teil der Community. OSM ist nicht einfach nur "Crowdsourcing", wo jemand von außen vorgibt, welche Daten zu sammeln sind und die fleissigen Bienchen sammeln dann. Die Community lebt von dem Miteinander von Datensammlern und Datennutzern. OSM ist auch deshalb so erfolgreich, weil man immer zusammengearbeitet hat. Es ist daher wichtig, die Datennutzer auch weiterhin einzubinden, mit ihnen in Dialog zu treten, rauszufinden, wer was braucht, Nutzer auch zum Beitragen von Daten zu animieren, sie in die Community einzubinden. Und dazu muss man halt als ersten Schritt wissen, wer das alles ist.

Und schließlich geht es auch um die Frage, wie die Nutzer das Projekt ggf. finanziell unterstützen können. Weltweit sparen Firmen und die öffentliche Hand Millionen, weil sie OSM "einfach so" nutzen können, da wäre es natürlich schön, wenn sie auch an OSM etwas zurückgeben.

Warum wissen wir nicht, wer OSM nutzt?

Es gibt ganz viele Nutzer von OSM, aber die sieht man häufig nicht. Ein paar Beispiele wurden in der Diskussion genannt: Bei der Deutschen Bahn wird OSM z.B. viel genutzt, nicht nur für die Umgebungspläne an Haltestellen. Viele Anwendungen sind intern und man wird sie nie sehen. Im Regionalverband Ruhr (RVR) wird OSM viel genutzt und auch zu OSM beigetragen, man ist mit der Community vernetzt. Aber allgemein bekannt ist das auch nicht. Die Feuerwehr Gütersloh nutzt OSM und mappt selbst, aber keiner spricht darüber. ...

Allgemeine Ergebnisse:

  • Viele OSM-Nutzungen sind nicht öffentlich, sondern in einer Organisation intern. Es brauch "Insiderwissen", um das herauszubekommen.
  • Kaum jemand berichtet über die (interne oder externe) Nutzung von OSM. Es ist unklar, woran das liegt. Vielleicht fehlt es einfach an einer Platform, wo man mehr darüber reden kann.
  • Gibt es noch gewisse Bedenken bei Nutzern sich öffentlich zur Nutzung von OSM zu "bekennen"?
  • Die Vernetzung mit der OSM-Community funktioniert durchaus, häufig auf lokaler und persönlicher Ebene.
  • Es gibt durchaus auch kommerzielle Nutzer, Kommunen, usw. die als Teil ihrer Arbeit beitragen.

Reine Nutzung vs. Mitmachen =

Ein Thema ist es immernoch, dass die Nutzung einfach ist, aber das Mitmachen nicht so einfach. Jemand von der Uni Freiberg berichtet von einem Projekt, wo die OSM-Daten nicht ausreichend waren und dann selbst Daten gesammelt wurden, die dann aber nicht an OSM zurückgingen. Hier ist einfach eine gewisse Hürde vorhanden. Und es gibt in einem Projekt auch die Zeit und das Geld nicht, über das Projekt hinaus zu denken.

Für zeitlich begrenzte Projekte wird es immer schwierig sein, auch daran zu denken, wie Daten in OSM eingepflegt werden können. Aber für andauernde Nutzung ist das sinnvoll und wird auch schon praktiziert (RVR, komoot, ...).

Wie finden wir Nutzer?

Es wurden diverse Ideen und Strategien diskutiert, wie wir die Nutzer finden:

  • Wiki-Seite anlegen und durch OSMer füllen lassen
  • FOSSGIS-Konferenz-Teilnehmer ansprechen (oder auch auf anderen Messen, wie auf der Intergeo)
  • Webformular, wo sich jeder melden kann und z.B. URLs von Nutzern melden kann
  • Web crawlen und Online-Karten automatisch finden
  • Logfiles, z.B. von unseren Tile-Servern nach Referrern auswerten
  • Anfragen über Verbände (z.B. Tourismus, etc.) an ihre Mitglieder
  • Umfrage auf download.geofabrik.de, wo sehr viele Nutzer ihre Daten herholen
  • Ansatz: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Organised_Editing/Activities

Zu klären wäre dann, welche Fragen man denn stellen will und wie man die Antworten auswertet? Eine Liste mit Webseiten, die OSM nutzen, ergibt ja noch keine Ansprechpartner. Und rauszubekommen, ob Daten auch gepflegt werden, wird so nicht immer möglich sein. Wie würden nächste Schritte aussehen, wenn man eine "Liste" von OSM-Nutzern hätte?

Nutzung in der Forschung

In der wissenschaftlichen Welt wird OSM überall benutzt. Es gibt aber keinen klaren Weg, wie man OSM zitiert. Auf https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Researcher_Information gibt es einen Vorschlag, bei dem es aber mehr um das Zitat der Daten geht als um das Zitat des OSM-Projektes als solches. Vielleicht könnten wir hier ein eindeutiges Merkmal, z.B. eine DOI, etablieren, die es auch ermöglichen würde, automatisiert alle Referenzen zu OSM in wissenschaftlichen Publikationen zu finden.

Werbung für OSM

Etwas neben dem eigentlichen Thema wurde auch die Frage diskutiert, ob wir OSM überhaupt bekannter machen müssen und wenn ja, dann wie. In der "geo bubble" ist OSM ja schon sehr bekannt, aber das ist nicht allgemein so. Selbst bei den Chemnitzer LinuxTagen, wo wir gerade einen Stand hatten, die ja sehr eine Nerd-Zielgruppe anspricht, war OSM nicht allgemein bekannt. In der breiten Bevölkerung ist OSM (anders als die Wikipedia) wenig bekannt, selbst bei Leuten, die OSM nutzen, das aber meist über irgendwelche Apps und Dienste nutzen, die OSM "weiterverkaufen". So wird OSM nicht wahrgenommen. Auch bei einer Google-Suche findet man selten die OSM-Karte selbst oder OSM-Daten, sondern in der Regel diverse Drittanbieter.

Fazit

Die Diskussion hat einige interessante Ansätze geliefert. Ein Teilnehmer wird mal einen Entwurf für eine Umfrage machen. Weitere Diskussionen und vielleicht das eine oder andere "Pilotprojekt" (sei es eine Umfrage, sei es eine Platform zu schaffen, auf der über OSM-Nutzer berichtet wird) werden mal nötig sein. Ich werde auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben und ihr könnt mich gerne unter jochen.topf@fossgis.de dazu kontaktieren.

Vielen Dank an Sarah Hoffmann für den Mitschrieb auf dessen Basis dieser Text entstanden ist.