Radwegenetze
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Ein Radwegenetz ist ein Verbund von ausgeschilderten Verbindungswegen für Radfahrer. Solche Netze können in der Praxis sehr unterschiedlich realisiert sein, so dass auch die Abbildung in OSM im Einzelfall unterschiedlich ausfallen wird.
Die Beschreibung hier orientiert sich an den in Deutschland am häufigsten anzutreffenden Radwegenetzen, bei denen einfach jeweils die nächsten Orte in einer Richtung ausgeschildert sind. Auf die Besonderheiten von Radwegenetzen, bei denen Routen oder Knotenpunkte über Namen identifiziert werden, wird im Einzelnen weiter unten eingegangen.
Grundsaetzlich wird ein Radwegenetz auf drei Ebenen erfasst:
- Das gesamte Netz wird in einer network-Relation zusammengefasst.
- Die einzelnen Zweige des Netzes werden als route-Relation erfasst.
- Die Knotenpunkte des Netzes werden als Wegweiser Nodes erfasst.
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Die network-Relation
In der network-Relation sind alle Teile eines zusammengehörigen Radwegenetzes zusammengefasst. Ein Netzwerk wird dabei über die folgenden Eigenschaften von anderen Netzwerken abgegrenzt:
- Innerhalb eines Netzes ist die Beschilderung typischerweise einheitlich gestaltet.
- Für die Errichtung und den Unterhalt der Auschilderung ist ein einzige Stelle (meist Behörde) zuständig.
Daraus ergeben sich die folgen Tags für die Relation (beispielsweise Relation
373530):
- type=network
- operator=* (beispielsweise operator=Lankreis Verden)
- name=Radwegenetz * (beispielsweise name=Radwegenetz Landkreis Verden)
Dazu kommt noch ein network-Tag, um die Kategorie des Radwegenetzes festzulegen. Typischerweise wird dabei network=lcn gesetzt werden, wobei lcn für local cycling network steht. Radwegnetze, bei denen die einzelnen Verbindungspunkte weiter auseinanderliegen, als Daumenregel sollte der Abstand typischerweise grösser als 20km sein, werden als regional cycling markiert, indem man network=rcn setzt. Ausserdem gibt es in Deutschland noch ein deutschlandweites Netz von nationalen Radwanderwegen, das mit network=ncn markiert ist, sowie internationale Radwanderwege, die per network=icn erfasst sind.
Ausserdem kann man der Relation nach das Tag route=cycling spendieren, um noch mal expliziert auszudrücken, dass es sich hierbei um ein Netz von Radrouten handelt. Das ist aber nicht zwingend notwendig, da dies ja bereits durch das network-Tag festgelegt ist, wenn auch die verwendeten Abkürzungn nicht gerade sprechend sind.
Als Mitglieder enthält die network-Relation die einzelnen Routen, aus denen sich das Wegenetz zusammensetzt.
Die route-Relationen
Die einzelnen Kanten des Radwegenetzes (die Verbindungen zwischen den Wegweiser-Punkten) werden als route-Relation in OSM erfasst. Jede dieser Relation wird mit den folgenden Tags markiert:
Die Tags network und operator sind eigentlich bei der Route überfluessig, da sie ja bereits in der übergeordneten network-Relation gesetzt sind. Da es aber z.Z. noch nicht sicher gestellt ist, dass die verschiedenen Auswerteprogramme mit Relationen von Relationen zurecht kommen, sollte man diese Tags auch bei den Routen explizit angegeben. Sie später mal zu löschen, ist ja kein Problem.
Am interessantesten ist sicherlich das name-Tag und damit auch die Frage, wie man am Besten ein Radwegenetz in einzelne Routen unterteilt. Dabei muss man die Eigenheiten eines Netzes berücksichtigen, in wie weit man daraus eine Unterteilung ableiten kann.
1. Es sind definierte Routen mit Namen (oder Nummern) vorgegeben
Wenn vom Operator bereits feste Routen vorgegeben werden, so sollten diese natürlich auch so bei OSM erfasst werden. Das name-Tag der route-Relation wird entsprechend dem Namen der Route gesetzt, wobei der Name der Route auch durchaus eine Nummer sein kann.
2. Die Knotenpunkte im Netz sind über Namen (oder Nummern) hervorgehoben
Bei sogenannten Knotenpunktnetzen sind die Knotenpunkte durch Namen (meist Nummern) hervorgehoben. In so einem Fall wird als Route die Verbindungsstrecke zwischen zwei benachbarten Knoten erfasst. Der Name für die Route wird aus den Namen vom Anfangs- und Endknoten gebildet. Eine Route vom Knoten 113 zum Knoten 127 wird entsprechend mit folgenden name-Tag versehen: name=113 - 127
Da die Routen im allgemeinen in beiden Richtungen nutzbar sind, ist eigentlich keine Unterscheidung von Anfang und Ende möglich. Damit es nicht zu sehr durcheinander geht, werden Anfangs- und Endpunkt durch die alphabetische (numerische) Sortierung der Namen definiert.
Ausserdem ist es zweckmässig, die beiden Namen durch Leerzeichen, Bindestrich und noch ein Leerzeichen zu trennen. Dadurch bleibt das Namensschema auch nutzbar, wenn ein Knotenname bereits einen Bindestrich enthält.
3. Im Netz sind keinerlei Elemente über Namen oder Nummern hervorgehoben
Bei den meisten Radwegenetzen gibt es weder vordefinierte und mit Namen versehene Routen, noch sind die Netzwerkknoten durch eigenen Namen hervorgehoben. Um trotzdem das Netz sinnvoll in Routen unterteilen zu können, muss man sich an den einzig differenzierbaren Netzelementen orientieren: an den Richtungsausschilderungen auf den Wegweisern.
Jede Route wird also nach den Zielorten benannt, die auf den Wegweisern an ihren Enden angegeben sind. Normalerweise sind mehrere Ziele in einer Richtung angegeben, der Übersicht halber wird für den Routen-Namen nur der erste (der oberste) verwendet.
Als Beispiel seien zwei Wegweiser angenommen, am westlichen sind in Richtung Osten zwei Ziele ausgeschildert, Bassen 5km und Sagehorn 0.3km, und am östlichen sind ebenfalls zwei Ziele ausgeschildert, Osterholz 5km und Meyerdamm 1.2km. Für das name-Tag der route ergibt sich somit:
Ensprechend den Routen-Namen bei den knoternpunkktnetzen gilt auch hier: Da die Routen im allgemeinen in beiden Richtungen nutzbar sind, ist eigentlich keine Unterscheidung von Anfang und Ende möglich. Damit es nicht zu sehr durcheinander geht, werden Anfangs- und Endpunkt durch die alphabetische (numerische) Sortierung der Namen definiert.
Ausserdem ist es zweckmässig, die beiden Namen durch Leerzeichen, Bindestrich und noch ein Leerzeichen zu trennen. Dadurch bleibt das Namensschema auch nutzbar, wenn ein Knotenname bereits einen Bindestrich enthält. Dieses Schema weist jeder Kante im Netz einen eindeutigen Name zu, allerdings ist der Name selber nicht eindeutig. D.h. es gibt mehrere Kannten, die den selben Namen erhalten. Sofern diese Kannten aufeinanderfolgen ist es zweckmaessig, diese in einer gemeinsamen Route zusammenzufassen. Wenn solche kannten allerdings nicht aufeinanderfolgen sondern paralell laufen, dann werden sie als getrennte Routen mit identischen Namen erfasst.
Als Mitglieder sind in den route-Relationen einmal die Verbindungswege von einem Wegweiserknoten zum naechsten gespeichert sowie zusaetzlich auch noch die Wegweiser selber, damit eine logische Verbindung vom Wegweiser zur Netzwerkkannte hergestellt wird. Das ist deshalb notwendig, weil die Wegweiser nicht direkt auf die Strassenkreuzungspunkte gesetzt werden, sondern als eigene Punkte neben die Strasse, halt dorthin wo der Wegweiser auch in Wirklichkeit steht (siehe unten).
Beispiele für route-Relationen finden sich in Relation
373662 und
373529, die beide den Namen Oberneuland - Osterholz haben, aber nicht aufeinander folgen.
Die Wegweiser-Punkte
Als drittes Element der Radwegenetze werden die Wegweiser in OSM erfasst. Damit sind nur die Wegweiser an den Netzknoten gemeint, an denen die verschiedenen Richtungen ausgeschildert sind, und nicht die Zwischenwegweiser, die den Routenverlauf zwischen den Knotenpunkten definieren.
Als Beispiel fuer die Erfassung eines Wegweiser sei hier der Knoten
582608008 angefuehrt, der mit den folgenden Tags gekennzeichnet ist:
- tourism=information
- information=guidepost
- network=lcn
- operator=Landkreis Verden
- route=bicycle (oder alternativ: bicycle=yes)
- direction_east=Bassen 5km; Sagehorn 0.3km
- direction_north=Fischerhude 7km; Oberneuland 5.8km
- direction_south=Achim 8km; Oyten 1.5km
- direction_west=Osterholz 5km; Meyerdamm 1.2km
Die Tags network, operator sind wiederum eigentlich nicht notwendig, da sie ja bereits durch die übergeordneten Relationen gegeben sind. Aber auch hier gilt, dass ich sie z.Z. lieber explizit beim Element mit angebe. Dies hat dann auch den Vorteil, dass man die Wegweiserknoten auch ordentlich erfassen kann, ohne sich gleich um die darauf aufbauenden route-Relationen kümmern zu müssen.
Die direction_... Tags sind die Beschriftungen der einzelnen Richtungshinweise. Damit die Daten möglichst einfach ausgewertet bzw. auf einer Karte angezeigt werden können, werden die Richtungen nur näherungsweise in acht Stufen unterschieden:
- direction_north
- direction_northeast
- direction_east
- direction_southeast
- direction_south
- direction_southwest
- direction west
- direction_northwest
Das passt natürlich nicht immer so ganz 100%-ig zur Richtung des Wegweisers, ist aber genau genug, um eindeutig zu erkennen, welche Richtung jeweils gemeint ist.
In den meisten Fällen ist in einer Richtung mehr als ein Ziel ausgeschildert. Die verschiednenen Ziele in einer Richtung werden alle im selben direction_... Tag erfasst und durch Semikolon getrennt. Die Entfernungen werden mit ihrer Einheit erfasst, und als Dezimaltrennzeichen wird der im englischen übliche Punkt verwendet.
Neben den oben angegebenen Tags kann ein Wegweiserpunkt auch noch ein name-Tag haben, sofern die Knotenpunkte des Radwegenetzes durch Namen hervorgeheoben sind. Der Wegweiser hat dann natürlich den Namen des Knotenpunktes, an dem er steht.
Ausserdem kann man an den Wegweisern auch noch in einem ref-Tag die interne Bezeichnung vom Netzwerk-Operator erfassen, die manchmal auf den Schildern vermerkt ist.
Die Wegweiser werden nicht direkt auf den Strassenkreuzungspunkte erfasst, sondern als eigene Punkte neben der Strasse, halt dort, wo der Wegweiser auch in Wirklichkeit steht. Dieser Ansatz bietet die folgenden Vorteile:
- Manchmal stehen die Wegweiser etwas abseits und sind nur sehr schlecht von der Strasse aus zu erkennen. Wenn sie entsprechend in der Karte eingezeichnet sind, weiss man dann auch gleich, wo man sie zu suchen hat.
- Manchmal gibt es an einem Knotenpunkt mehr als einen einzigen Wegweiser, bei grossen Kreuzungen in Bremen hat z.B. jede Strasse, die auf die Kreuzung zufuehrt, ihre eigenen Wegweiser. Diese Wegweiser werden auch einzeln erfasst, da die Beschriftungen auf ihnen durchaus unterschiedlich sein kann.
- Wenn sich in Zukunft die (Un-) Sitte immer mehr verbreitet, Radwege oder verschiedene Fahrspuren als eigene Ways in der OSM-Datenbank zu erfassen, dann ist sowieso nicht mehr klar, welcher Knotenpunkt dann genau eine Kreuzung beschreibt.
Ein Wegweiser wird in den route-Relationen als Mitglied eingetragen, in deren Richtung eines seiner Hinweisschilder weist.
Sonderfälle
Hier wird die Erfassung von Sonderfällen (z.B. unvollständige Ausschilderung) beschrieben.