DE:Sesselmapping

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Als Sesselmapping (engl. armchair mapping) wird das Beitragen zu OpenStreetMap bezeichnet, ohne die Wohnung zu verlassen. Das Verfahren wird kontrovers diskutiert und ist nicht überall gern gesehen. Denn das Verfahren beeinhaltet keine Besichtigung vor Ort. Statt dessen interpretiert der Mapper die vorhandenen Daten:

  • Einzeichnen von Objekten aus Luftbildern wie etwa Bing. Dies wird am häufigsten gemacht.
  • Rasterkarten-Quellen (wo welche nutzbar sind, etwa Kopien von Out-of-copyright maps)
  • Manuelle Interpretation von Notes Fehlerberichten
  • Automatisierte Quality Assurance Fehler
  • GPS tracks von anderen Leuten
  • Zusammenführen von anderen Vektordaten mit OpenStreetMap (auch bekannt als "Community Importe")
  • Eine "Fehlerbehebungs" phase nach konventionellen Importen

Normales Mappen

Zum normalen Mapping-Prozess gehört es immer, nach draußen zu gehen und sich die Realität vor Ort anzuschauen. Natürlich gehört auch die Arbeit an den OSM-Daten später zu Hause dazu, aber nur an Gebieten, die der Mapper selbst erkundet hat oder aus anderen Gründen persönlich gut kennt.

Sesselmapping

Sesselmapping ist das Modifizieren oder Einzeichnen von OSM-Daten in Gebieten ohne jede persönliche Recherche oder Ortskenntnis, nur anhand von Luftbildern oder anderen Datenquellen mit unbekannter Zuverlässigkeit.

Richtlinien fürs Sesselmapping

Es ist sehr wichtig, sich an die folgenden Grundsätze zu halten, wenn man in einem Gebiet arbeitet, in dem schon Daten bei OpenStreetMap vorhanden sind. In Gebieten der Welt, die abgelegener sind oder die zumindest immer noch wenige Daten haben, kannst du im allgemeinen etwas entspannter sein.

Lerne, lohnende Daten zu erkennen. Es gibt verschiedene Werkzeuge und Techniken, manche mehr komplex als andere, um herauszubekommen, wer was zu den OpenStreetMap Daten beigetragen hat. All diese Werkzeuge sind wertvoll dafür, mögliche Schäden durch Sesselmapping zu minimieren.

Bilder können lügen! Dies ist die goldene Regel, die du berücksichtigen solltest.

  • Überprüfe die Bild-Ausrichtung Häufig sind die Bilder nicht richtig ausgerichtet, mit einem Versatz in verschiedene Richtungen. Probiere die Bilder so lange zu verschieben, bis sie passen. In Potlatch machst du das durch das Drücken der Leertaste, während du den Layer bewegst. Nicht zuletzt solltest du bedenken, dass Luftbilder nicht unbedingt immer genauer ausgerichtet sind als die bestehenden Daten.
  • Dinge ändern sich, Bilder veralten. Das Straßenbild wandelt sich. Gebäude werden abgerissen und woanders werden neue erbaut. Die Bilder demgegenüber können bereits mehrere Jahre alt sein. Sesselmapping kann dazu führen, dass man diese Informationen blind übernimmt. Aber in Gebieten, wo bereits lokale Mapper gearbeitet haben, solltest du sehr sehr vorsichtig damit sein. Suche nach Hinweisen. Wenn überall Gebäude gezeichnet sind, und du siehst, dass nur genau eins fehlt oder dass eins eine andere Form hat, hüte dich davor, dies "zu beheben". Deine Alarmglocken sollten angehen. Ein Ansatz wäre einen fixme=* tag zu setzen. Wenn du Zweifel hast, gehe besser davon aus, dass die bestehenden Daten von Leuten vor Ort verifiziert wurden und richtiger sind als dein Luftbild. Manchmal lässt sich das feststellen, indem du den source=* tag analysierst oder die vorherigen Autoren kontaktierst.

Für ein besseres Verständnis dieser Richtlinien lies bitte den Abschnitt "Nachteile und Kontroversen".

Richtlinien für Organisatoren

Koordinierte Sesselmapping-Aktionen sind nichts, womit wir schon oft experimentieren konnten. Wenn du ein größeres Event organisierst, solltest du als Organisator unbedingt die Gelegenheit nutzen, deinen Gästen die Richtlinien vorzustellen und sicherzustellen, dass diese befolgt werden. Du solltest natürlich ebenfalls über diese Bescheid wissen und die Nachteile vor dem Event kennen.

  • Organisatoren sollten alle Schritte unternehmen, um die Teilnehmer über diese Richtlinien und die Hintergründe des Sesselmappens zu unterrichten. Dies beeinhaltet einen Link auf diese Seite von möglichst jedem öffentlichen Auftritt (z.B. von der jeweiligen Wikiseite oder dort eine Zusammenfassung).
  • Organisatoren sollten sich das Zielgebiet sehr gründlich überlegen. Wähle Gebiete mit nur wenig bereits existierenden Daten. Anhaltspunkte können Dienste wie MapCraft, der HOT tasking server oder OSMatrix sein. Dies kann auch genutzt werden, um Teilnehmer für sensible Gebiete zu gewinnen. Wenn die Leute freier bei der Wahl des Einsatzgebietes sind, erhöht das natürlich den Bedarf an weiteren Informationen und Betreuung.
  • Organisatoren sollten Schritte unternehmen, um die lokalen Mapper vor Ort zu kontaktieren. Dazu gehört das Ermitteln der bisherigen Hauptbeteiligten und deren Einbeziehung. Auch wenn keine Daten vorliegen, wäre es gut, die lokale Community über die üblichen Kanäle vorab zu informieren. Versuche die Wikiseiten unterhalb von Mapping Projects, Bundesland Mailing Lists und alle möglichen Contact Kanäle zu nutzen, die dort eben genutzt werden.

Nachteile und Kontroversen

OpenStreetMap schätzt die Beiträge der örtlichen Mapper über alle Maßen, die rausgehen und ihre Nachbarschaft erfassen, und wir wünschen uns, dass mehr Leute dazu kommen. Auf diese Weise können wir eine wahrhaft einzigartige Karte der Welt erstellen. In einem gewissen Sinne ist dies das Herz und die Seele unseres Projektes. Nichts sollte diesem entgegen stehen, doch leider scheint es, dass Sesselmapping dies teilweise tut. Drei Gründe:

  1. Draußen zu mappen ist nicht immer angenehm. Und die Zeit, die man zum Sesselmappen verwendet, kann leider eben nicht mehr für lokale Datenerhebung genutzt werden. Jede Webseite oder Wikiseite, die Sesselmappen beschreibt, kann auch neue Nutzer für diese Technik begeistern und diese davon abhalten, wirklich draußen aktiv zu werden.
  2. Es könnte argumentiert werden, dass Sesselmappen nicht gut mit lokal gesammelten Daten harmoniert, denn ihr plötzliches schnelles Erscheinen könnte Leute davon abhalten, Daten noch vor Ort zu sammeln. (Ähnliche Argumente werden auch gegen Importe vorgebracht. Vielleicht kann Sesselmapping sogar als Schritt hin zu den schädlichen Aspekten von großflächigen Importen gewertet werden)
  3. Sesselmapper scheinen relativ oft unbeabsichtigt Schäden zu verursachen oder mühevoll lokal erfasste Änderungen wieder rückgängig zu machen.

Die ersten zwei Punkte sind eher philosophischer Natur, schwer dagegen zu argumentieren, aber genauso schwer diese als schwerwiegendes Problem wahrzunehmen (eben abhängig davon, wie du den Wert der Daten selbst bewertest). Der dritte Punkt ist ein Problem, dass durch diese Richtlinien und durch die Schulung von Mappern sicherlich abgemildert werden kann.